Handlungskonsens & Selbstverständnis (Stand 6. April 2021)

Apr 7, 2021

Bei diesem Handlungskonsens & Selbstverständnis handelt es sich um ein Ideal, welches wir stets anstreben. Dabei ist uns jedoch klar, dass wir einige den genannten Ziele in unserer von Gewalt und Diskriminierung geprägten Gesellschaft nicht vollständig erreichen oder garantieren können. Wie auch wir, ist der Handlungskonsens im Wandel. Er wird regelmäßig hinterfragt und kann zukünftig verändert, angepasst oder aktualisiert werden.

Selbstverständnis und Positionierung

  • Wir verstehen die Klimakrise als Gerechtigkeitsproblem. Besondere Solidarität zeigen wir den Menschen, die am stärksten von den Folgen der Klimakrise betroffen sind und am wenigsten zu dieser beitragen.
  • Wir sind uns bewusst, dass die Gesellschaft in der wir leben zu großen Teilen rassistisch, sexistisch, antisemitisch, queerfeindlich, klassistisch, ableistisch und anderweitig diskriminierend ist. Das Klimacamp und wir selbst als Personen sind nicht davon ausgeschlossen und wir bemühen uns deshalb stets, uns unserer Privilegien bewusst zu sein und die eigene Denkweise kritisch zu hinterfragen.
  • Wir stellen uns Sexismus, Rassismus und jeglicher Form von Diskriminierung und Faschismus entgegen und zeigen uns solidarisch mit Betroffenen.
  • Wir distanzieren uns klar von Verschwörungsideologien und völkischem Gedankengut
  • Wir sehen unser jetziges Wirtschaftssystem, das auf Ausbeutung und Wachstum beruht, als nicht vereinbar mit dem 1,5 Grad Ziel.

Handlungskonsens

  • Wir wollen, dass keine körperliche und sprachliche Gewalt im Camp stattfindet und vom Camp ausgeht.
  • Wir wollen aufeinander achten und solidarisch miteinander sein. Sicherheit und das Wohlbefinden aller Beteiligten hat für uns oberste Priorität. Wir wollen respektvoll und wertschätzend miteinander umgehen.
  • Damit das Camp ein safer Space (oder sichererer Ort) für alle sein kann, gibt es ein Awareness-Team (welches sich um das Wohlergehen der Teilnehmer*innen kümmert) mit festen Ansprechpersonen, die sensibel für Diskriminierung sind.
    • “Safer Space”: Als „Safer Space“ werden Räume und Räumlichkeiten bezeichnet, in die sich Menschen zurückziehen können, die sich ausgegrenzt oder diskriminiert fühlen.
  • Wir bemühen uns um eine positive Diskussionskultur, eine offene Fehlerkultur, geben Raum für unterschiedliche Meinungen und versuchen, uns ständig selbstkritisch zu reflektieren.
    • „Offene Fehlerkultur“: Fehler sind menschlich und niemand ist perfekt. Eine offene Fehlerkultur beschreibt einen verständnisvollen, konstruktiven und nicht-verurteilenden Umgang mit Fehlern. Fehler werden als Möglichkeit zur Weiterentwicklung betrachtet. Wir versuchen stehts, unsere Mitmenschen respektvoll auf Fehler (z.B. die Verwendung gewaltvoller Begriffe) hinzuweisen.
  • Keine illegalen Drogen, auch kein Alkohol oder Tabak, im Camp. Menschen, die auf Tabak nicht verzichten können, bitten wir sich, während sie rauchen, einige Meter vom Camp zu entfernen.
  • Wir verurteilen keine Individuen für unökologische individuelle Entscheidungen. Wir richten uns mit unseren Forderungen an die Politik. Wir sehen aber auch die Verantwortung von Individuen, über ihre Entscheidungen zu einer positiven Entwicklung beizutragen, soweit es ihnen möglich ist.
  • Wir bauen mit unseren Forderungen auf aktuellen wissenschaftlichen Erkentnissen auf.

Wie treffen wir Entscheidungen?

Entscheidungen während der Zeit des Camps werden in AGs oder Plena getroffen, die basisdemokratisch ablaufen. Wir treffen Entscheidungen per Mehrheitsentscheid, streben dabei jedoch einen Konsens an.

Entscheidungen werden durch eine 51%-Mehrheit an Ja-Stimmen aller anwesenden Menschen getroffen. Enthaltungen werden explizit abgefragt und festgehalten.

Je nach Situation kann auf Konsensfindung zurückgegriffen werden.

Bevor eine Entscheidung getroffen wird, werden in jedem Fall in der Runde Widerstände (schwache bis starke Bedenken) abgefragt. Diese müssen angehört und besprochen werden.

Stand: 06.04.2021


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